Wie Yoga uns hilft, unsere Mitte zu finden.

August 24, 2017

Oder: der friedvolle See in dir.

 

 

 

Die Bhagavad Gita gehört zu den am meisten gelesenen Bücher in Indien. Viele Inder tragen sie immer bei sich, um darin zu lesen und die Wahrheit zu verinnerlichen - die Bibel der Hindus sozusagen. Die Bhagavad Gita gilt als eine der wichtigsten Schriften im Yoga und hilft uns besonders, den Alltag bewusst zu leben und zu spiritualisieren.

 

In er Bhagavad Gita heißt es "Yoga is the journey of oneself, though oneself, to oneself." Ich tue mich etwas schwer mit der deutschen Übersetzung: Yoga als die Reise, die jeder von uns selber antreten muss, die durch uns (hindurch) führt und welche uns am Ende zu uns selber zurückbringt bzw. uns bewusst macht, dass das, was wir ständig suchen, seit jeher und im Überfluss vorhanden ist.

 

In den Yoga Sutras von Patanjali heißt es weiter, dass unser Allerinnerste wie ein ruhiger See ist, welcher unberührt von Erlebnissen + Ereignissen ist. Erst durch unsere Erlebnisse, Erfahrungen und gelebten Interaktionen mit anderen kommt Bewegung in den See. Dadurch verändert sich dessen Oberflächenbeschaffenheit und er verliert mehr und mehr an Klarheit. Manchmal sind die Bewegungen so heftig, dass der Grund des Sees mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar ist. 

 

 

 

 

Wir alle wissen, ein Leben ohne Bewegung gibt es nicht. Wir, die anderen und unsere Umwelt sind ständig in Bewegung. Die Kunst ist es nicht, ein Parallelleben zu führen und sich vom Rest der Welt vollkommen abzuschotten, um zu sich zurück zu finden. Nein, das ist einfach! Die eigentliche Kunst ist nicht, einmal die Woche zum Yoga zu gehen, sondern das Yoga vor und nach der Stunde im Alltag zu integrieren. 

 

Guck dir deinen Atem an - der kommt und geht auch in Wellen. Wichtig ist, dass die Bewegung des Sees nicht als Wesen des Sees verwechselt werden. Das eigentliche Wesen des Sees ist ruhig und harmonisch. Der See ruht in sich selbst.

 

Yoga kann uns helfen, mehr zu uns zurück zu finden - ohne, dass wir uns dazu in eine Höhle im Himalaya einschließen müssen. Vielleicht kennst du das Gefühl nach der Yoga Praxis: ein wohlig warmes Gefühl, als würde dich das ganze Universum gerade umarmen. Wie der Sonnenschein nach dem Unwetter. Du bist im Moment und ganz bei dir. Leider hält dieses Gefühl oftmals nicht allzu lange an und sobald wir wieder aus der Tür des Yoga Studios hinaus in den Alltag gehen, fühlt es sich manchmal an, als wäre das alles nur ein Traum gewesen. Die gute Nachricht: das war kein Traum! Das war der See in dir, ohne Wellen und Bewegung. Auch wenn du es nur für einen Bruchteil von Sekunden erlebt hast, es war kein Traum. 

 

Yoga kann uns darüber hinaus helfen, diese Momente des vollkommen Seins zu nutzen, um intensiv zu beobachten, hinter welchen Geschichten wir uns tagtäglich verstecken, welche Notlügen sich wiederholen und wie wir uns selber nie genug sind. Wen du ehrlich zu dir sein kannst in diesem Moment des Einssein mit dem, was ist, wirst du sehen, dass alles, wonach du ständig suchst, genau hier ist, jetzt bei dir. Kein Geld der Welt kann die Bewegungen des Sees aufhalten. Das kannst nur du ganz alleine. Yoga kann dich nicht von deinen Gedanken befreien, aber es kann den Weg dafür frei machen, dass die Gedanken weniger werden und du dich nicht mehr unweigerlich in ihnen verstrickst.

 

Das nächste Mal, wenn du praktiziert, oder dich in einer hektischen Alltags-Situation erwischt, schließe für einen Moment die Augen und rufe dir das Bild eines ruhigen, klaren Sees vor Augen. Atme ein paar Mal tief durch die Nase ein und durch den Mund aus. Dabei beobachte, wie durch den Atem die Bewegung kleiner und der See klarer werden.

 

Vielleicht herrscht keine absolute Stille, aber du siehst den Grund und das Wesen des Sees deutlich vor dir. Das Ziel ist nicht, ohne Bewegung und Veränderung durchs Leben zu schreiten. Das Ziel ist, die Bewegungen anzunehmen und zu schauen, was es braucht, damit wieder mehr Ruhe einkehrt. Denn sonst besteht die Gefahr, dass wir glauben, wir wären der bewegte, aufgebrachte See, welcher lediglich ein Konstrukt unserer Umwelt und Gedanken ist. Wenn dir das bewusst ist, kannst du immer öfters und immer länger an den stillen, friedvollen See kehren. Dann machen dir die Bewegungen keine Angst mehr und du weißt, dass sie zum großen Ganzen einfach dazu gehören. 

 

Namaste! 

 

 

 

 

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