Heute schon gelebt? - Ein Gespräch, das zum Innehalten einlädt.

July 31, 2017

Janina, die bei YOIQI den Bereich Social Media und Marketing unterstützt, hatte diese Woche die Gelegenheit, Uta von Yoga Jetzt einmal etwas genauer auf den Yoga-Zahn zu fühlen. Ganz alltagsnah in ihrem Garten auf dem Boden der Tatsachen. Dazu wurde Wasser mit Zitronen-Öl von do Terra gereicht. Entspannt gesund. Uta Hand aufs Herz:

 

 

 

Uta und ihre Kinder bei der gemeinsamen Meditationspraxis im Wohnzimmer, umringt von Dublo und Autos. 

 

 

 

 

Du in 5 Worten: Yogini, Mama, Partnerin, Optimistin, Linkshänderin (A.d.R. die Reihenfolge hat dabei keine tiefere Bedeutung. Manchmal ist Uta auch alles zugleich wie sie selber sagt).

 

 

Dein Yoga in 5 Worten: präzise, kraftvoll-intensiv, nährend, klärend, inspirierend.

 

 

Yoga Jetzt in 5 Worten: Herzensangelegenheit fängt sehr gut ein, worum es bei Yoga jetzt wirklich geht: alltagsnah, undogmatisch, humorvoll, authentisch, schnörkellos. 

 

 

Du bist seit vielen Jahren ein fester und wichtiger Bestandteil der Freiburger Yoga Community. In deinen Stunden redest du ganz offen und ehrlich über das Leben - mit allem was dazu gehört. Deine Stunden inspirieren viele. Woher nimmst du deine Inspiration?

In allererster Linie inspirieren mich Begegnungen mit Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise. Mich inspirieren Dinge und Situationen, die ich beobachte, wahrnehme. Zu reisen inspiriert mich. Erst danach kommen die Bücher. 2003 bin ich „durch Zufall“ meinem bis heute wichtigstem Yoga-Lehrer begegnet. Viele Impulse, die ich im Unterricht weiterreiche, kommen von ihm. Viel gelernt fürs Leben habe ich aber definitiv auch von meinen Eltern. Auch sie sind in dem Sinne eine ganz wichtige Quelle der Inspiration für mich. Inspiriert und berührt zu werden, empfinde ich als etwas Überlebensnotwendiges. Ich habe das Gefühl, dass die Inspirationsantenne in mir ganz weit ausgefahren ist und mich eigentlich ständig zum Nachdenken angeregt und ich damit auch berührt werde. Und all das nehme ich dann, genau wie meine Yogamatte, ganz selbstverständlich in den Unterricht mit. Ich setze mich nicht hin und denke darüber nach, was ich jetzt Inspirierendes weitergeben könnte. Es geschieht einfach.

 

 

Wie bist du zum Yoga gekommen?

Es sollte wohl so sein, dass ich im Yoga lande. Es gab meinerseits eine gewisse Faszination für Yoga, obwohl ich eigentlich keine Ahnung davon hatte, was Yoga ist. Ich erinnere mich an eine Kommilitonin, die in unserem ersten Semester „Erziehungswissenschaften“ zum Yoga ging. Sie hat mich in gewisser Weise fasziniert und auch inspiriert. Ich fand es spannend zu beobachten, wie gelöst und entspannt sie immer nach ihrem Kurs war. Sie hat rückwirkend betrachtet meine Neugierde verstärkt, dass ich mich dann auch zu einem Kurs angemeldet hat. Das war 1998. Damals war ich 21 Jahre alt.

 

 

Seit wann findet man dich auf einer Yogamatte sitzend? 

Richtig erwischt hat mich das Yogafieber dann 2000 in Hamburg.

 

 

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Ich bin Mama von zwei kleinen Kindern…wir stehen gegen 6:30 Uhr auf, ich richte Frühstück und das Kita-Vesper, irgendwo dazwischen dusche ich und trinke einen Café. Dann bringe ich meine Kinder in die Kita, gehe einkaufen, räume auf, wasche, sitze am Computer und kümmere mich um alles Organisatorische, was eine Yogaschule so mit sich bringt. Und dann gehe ich täglich auf meine Matte - sitze, atme, strecke mich. Danach bin ich gelöst und frei. Dann koche ich, esse, hole meine Kinder ab und verbringe den Nachmittag mit ihnen. Dann übergebe ich meine Kinder an meinen Mann und düse zum Unterricht. Abends streben mein Mann und ich danach, uns ein wenig Zeit füreinander zu nehmen, um uns von unseren Erlebnissen des Tages zu berichten, uns auszutauschen und uns damit auch miteinander immer wieder zu verbinden. Ich lebe ein ganz gewöhnliches Leben. Es ist wunderbar so und ich vermisse nichts.

 

 

...und wo findet man dich, wenn du nicht gerade Yoga unterrichtest oder für dich praktizierst?

Auf dem Schulhof in Merzhausen, im Kinderzimmer umringt von Playmobil oder Autos und zum Glück auch in den Armen meines Mannes. Und, wann immer es geht, versuche ich Kontakte zu lieben Menschen zu pflegen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

 

 

Hand auf Herz ist das Motto von Yoga Jetzt. Welche Bedeutung hat es für dich?

Hand aufs Herz bedeutet für mich, wahrhaftig zu sein oder zu werden, in erster Linie mit uns selbst, uns selbst kennenzulernen, nach Innen zu schauen, insbesondere unsere verborgenen, dunklen Seiten ans Licht zu befördern. 

 

 

 

Was macht einen guten Yoga Lehrer deiner Meinung nach aus?

In erster Linie selber eine Übende/r zu sein und zu bleiben. Eine YogaleherIn sollte nur das weitergeben, was wirklich integriert und durchgedrungen ist, alles andere kommt bei den SchülerInnen meines Erachtens sowieso nicht wirklich an. Eine YogalehrerIn sollte den SchülerInnen dienen nicht ihrem Ego. Authentische LehrerInnen, die ihr Wissen in einfache und eigene Worte fassen können, berühren mich. LehrerInnen, die klar, humorvoll, präsent und doch bescheiden sind, denen es nicht um ihre Person, sondern um die Sache geht, begeistern mich.

 

 

Wie siehst du die aktuelle Entwicklung des Yoga im Westen? Würde sich nicht jeder indische Guru einmal im Grab umdrehen?

Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Es ist natürlich so eine Sache mit dem Mainstream… er bringt eine gewisse Oberflächlichkeit mit sich. Und es ist auch so, dass wir uns den Yoga so hinbiegen, wie es uns im Westen taugt - Yoga wird zur Wellness und Körperkult Veranstaltung. Darüber kann man natürlich motzen und lästern oder man kann es auch bleiben lassen. Ich ziehe Letzteres mittlerweile vor. Die Diskussion über Yoga im Westen empfinde ich oft als müßig und auch wieder vor allem angetrieben von Egoismus und Überheblichkeit. Ich kenne ganz viele tolle Yogalehrer, die weltweit die Seelen der Menschen auf ganz wunderbare Weise erreichen. Und ich denke auch, dass es seinen Sinn hat, dass Yoga und auch andere fernöstliche Befreiungssysteme bei uns im Westen gelandet sind. Natürlich adaptieren wir sie an unseren hiesigen Lebensstil, aber warum auch nicht? Sagt nicht auch der Yoga: Leben ist Veränderung?

 

 

Viele fühlen sich heutzutage überfordert und ausgebrannt. Überall gibt es Kriege, wir haben keine Zeit mehr füreinander und fühlen uns nie genug. Wie kann Yoga das eigene Leben inspirieren, sich in dieser Welt zurecht zu finden ohne sich dabei zu verlieren?

Wir nehmen uns keine Zeit für einander, und schon gar nicht für uns selbst. Unser bester Freund und treuester Begleiter ist das Smartphone geworden, nicht das Gegenüber. Wir flüchten uns in digitale Welten, Facebook und Co. Letztlich laufen wir dabei vor uns selbst davon. Anstatt potentielle Lücken als Gelegenheit wahrzunehmen herunterzukommen, zu uns zu kommen, füllen wir jede erdenkliche Pause mit Aktionismus. Wir werden dabei letztlich zu Sklaven unserer inneren Getriebenheit, sind Sklaven unserer Gedanken. Das ist doch total verrückt. Was uns am Ende des Tages müde macht, ist nicht die körperliche sondern die mentale Erschöpfung. Ich denke es ist ganz wichtig, dass wir uns selbst in guten Sinnen immer wieder hinterfragen, innehalten, überprüfen, ob wir noch mit uns selbst auf dem richtigen Weg sind oder eben davon abgekommen sind. Es bleibt dabei nicht aus, dass wir uns selber kennenlernen müssen, um zu verstehen, wie wir ticken. Sonst machen wir einfach immer nur so weiter. Yoga bietet einen unermesslichen Methodenkoffer dafür an, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen, um endlich frei zu werden. Wie heißt es doch so schön? Durch Yoga lernen wir in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein. Wenn ich an einem Bahnsteig stehe und in den Zug einsteige, kann es sein, dass ich auf die Lücke aufmerksam gemacht werde, die sich zwischen Bahnsteig und Zug befindet. Das ist letztlich ein wunderbarer Impuls: Achte auf die Lücke - zwischen zwei Atemzügen, zwischen zwei Gedanken, zwischen zwei Aktivitäten. Sie führt dich in die Stille und somit nach Innen, zurück in dein Herz. Im besten Fall können sich in den Lücken zunächst auch die leisen inneren Stimmen melden, die uns mitteilen, was wir im Moment eigentlich wirklich brauchen und was nicht. 

 

… und ein Wort zu den Kriegen. Gegen die Kriege kann ich als Einzelne natürlich gefühlt wenig tun. Was ich aber tun kann, ist den Krieg im Kopf zu beenden. Denn dann werde ich auch in der Lage sein, ein Leben zu führen, das auch anderen keinen Schaden zufügt. Solange ich gegen mich selbst kämpfe, mache ich das auch im Außen. 

 

 

Kopfkino: Wie sehe die Welt wohl aus, wenn alle Politiker Yoga machen und meditieren würden?

Ganz spontan: Ich denke, dass könnte verdammt gut werden…!

 

 

 

Früh übt sich: Uta und ihr Sohn beim gemeinsamen Yogieren.

 

 

Unser Körper ist ein wundervoller Temple, der das Zuhause für unsere Seele stellt - Was tust du, um deinen Tempel zu pflegen? 

Natürlich achte ich auf eine ausgewogene Ernährung und Lebensweise. Dabei verfolge ich aber keinen festen Plan. Ich nehme ganz pragmatisch Vorsorgeuntersuchungen wahr und nehme nach Bedarf hochwertige Nahrungsergänzungsmittel. In meinem Badezimmer steht Naturkosmetik. Ich achte auf ausreichend Schlaf und ich glaube an die heilsame Kraft positiver Gedanken. Detox muss im Kopf passieren und sich dann im Körper manifestieren.

 

 

Ayurveda oder Traditionelle Chinesische Medizin?

Beiden Systemen gilt meine absolute Hochachtung. Sie beeinflussen und inspirieren mich, Ayurveda vielleicht noch etwas ausgeprägter als TCM. Ich habe aber keine eindeutige Präferenz.

 

 

Das erste Prinzip der Yamas ist ahimsa - nichtverletzen. Lebst du vegetarisch oder vegan? Wenn ja, seit wann.

Fleisch und Wurst zählten noch nie zu meinen Leibspeisen. Und so war es für mich auch keine große Sache, 1997 komplett zur Vegetarierin zu werden. Allerdings nehme ich außer der Milch im Café und etwas Käse kaum tierische Fette und Eiweiße zu mir.

 

 

Der Klassiker, eine einsame Insel. Was/Wen nimmst du mit? Meine Familie.

 

 

Deine Top 5 Yoga Essentiells? 

Adho Mukha Svanasana, Utthita Trikonasana, Salamba Sarvangasana, Nadi Shodana, Shavasana.

 

 

Was kann jeder von uns tun, um ganz einfach mehr Yoga in den Alltag zu integrieren?

Um eine regelmäßige und nährende Yogapraxis, im Sinne von Meditation, Pranayama und Asanas in den Alltag zu integrieren, würde ich zunächst empfehlen, dem schlechten Gewissen den Vertrag zu kündigen, und es somit aus dem eigenen Leben zu streichen. Auch aufgeben würde ich das häufig damit verknüpfte Hadern. Beide Denkmuster sind zutiefst unproduktiv, rauben uns unnötig Energie und führen zu nichts. Und wenn das Loslassen ungesunder Denkmuster dann Spaß zu machen beginnt, würde ich auch gleich noch einen Blick auf die eigenen (Perfektions-) Ansprüche werfen. Letztlich ist das einzige Hindernis sich selbst regelmäßig Auszeiten für die Yogapraxis zu nehmen, unser Verstand bzw. unser Kopfkino mit all seinen Facetten. Der Kopf rebelliert wie ein störrisches Kind, lässt sich immer wieder neue Gründe einfallen, weshalb wir auch heute schon wieder keine Zeit für Yoga haben werden. Es führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen uns selbst kennenlernen, verstehen lernen, wie wir ticken, damit wir mehr und mehr zum neutralen Beobachter unserer Gedanken werden können. Dies versetzt uns über die Zeit in die Lage, uns von jenen inneren Widerständen zu emanzipieren, die uns andernfalls immer wieder neue Steine in den Weg legen werden. Streben würde ich, wenn überhaupt, nach einem gesunden Maß an Selbstdisziplin. Eine stabile Yogapraxis in den Alltag zu integrieren bedeutet für mich nicht, jeden Tag zwei Stunden auf der Matte zu stehen. Oft reichen schon 5 Minuten stilles, achtsames Sitzen, ein paar tiefe bewusste Atemzüge, ein paar wenig konzentriert und gesammelt ausgeführte Asanas, um sich innerlich wieder geklärt und aufgeräumt zu fühlen. Weniger ist auch hier oft mehr.

 

 

 

Last but not least. Welche Frage magst du dem Leser abschließend als Denkanstoß mit auf den Weg geben? 

 

Heute schon gelebt?

 

...ich war letzte Woche auf einem wunderbaren Konzert von Krishna Das. Seine letzten Worte waren: „…und wie wir in Indien zu sagen pflegen…“ Alle dachten, jetzt kommt etwa ganz „Heiliges“ und dann kam einfach: „Take it easy!“

 

 

 

In diesem Sinne wünschen wir allen ein schönes Wochenende! 

 

 

 

Uta trägt unseren neuen Sommer Style in Indigo, Short Jumpsuit YOIQI in Größe S.

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