Interview mit Tanya Gutekunst

August 27, 2016

Tanya Gutekunst unterrichtet Tanz im Studio Nextstep in Freiburg. Ihr Gebiet ist der zeitgenössischer Tanz. Yoga ist ebenso ihr Feld. Wie sie beides verbindet und was sie dahin führte, erzählt sie YOIQI. 

 

                                       © Natalie Zanger 

 

Du bist Yoga und Tanzlehrerin, wie kommst du dazu?
 

Getanzt habe ich schon immer, schon als Kind. Dass ich eine professionelle Laufbahn eingeschlagen habe, kam erst relativ spät. Es kam eigentlich eher per “Zufall”, als ich mit dem, was ich eigentlich gemacht habe, nicht so richtig weiterkam. Ich wollte eigentlich in Richtung Kunst und Grafik gehen, aber irgendwie habe ich da nicht so richtig meinen Platz gefunden. Als eine gute Freundin von mir dann eine Tanzausbildung in München begann, nahm ich diesen Wind mit und ging auch nach München.

 

 

Wie kam es dann zum professionellen Tanzen?
 

Ich wollte zuerst die Ausbildung dort nur ein Jahr machen. Als Auszeit, um dann zu schauen, wie es mit der Kunst weitergeht. Dann habe ich aber gemerkt, dass ich eigentlich schon gefunden habe, was ich machen will. Ich glaube der Wunsch professionell zu tanzen war davor schon da, ich hatte es mir nur nie wirklich zugetraut.
 

© Natalie Zanger                                                                                          Tanya trägt den YOIQI Yogajumpsuit in Arctic Ice.

 

 

Wie kamst du zum Yoga?
 

Während meiner Zeit in München war eine Kollegin von mir, mit der ich im Cafè gearbeitet habe, Yogalehrerin. Ich mochte sie sehr und ging in ihre Yogaklassen. Dort fand ich nochmal eine ganz neue Tiefe im Körper. Das hat mich unheimlich berührt und neugierig gemacht.

Das Yoga kam einfach zu mir, so wie das Tanzen eigentlich auch.


 

Was hast du nach der Tanzausbildung gemacht?
 

Ich habe nach dem Tanzstudium in kleinen freien Produktionen mitgemacht und auch begonnen selbst Stücke zu choreographieren. Nebenher habe ich unterrichtet. Durch einen Schicksalsschlag kam ich dann nach Freiburg, weil mein Vater gestorben ist. Ich wollte zu dieser Zeit eigentlich nach Berlin. Habe dann aber in Freiburg angefangen, in einer Schule für Bühnentanz, die Ausbildungsklassen in zeitgenössischem Tanz zu unterrichten. Es war eigentlich nicht der Plan, dass ich so viel unterrichte.

Während meiner 7 Jahre Unterrichtszeit habe ich auch immer wieder kleinere Produktionen in Freiburg und München gemacht. Dazu kam dann die Yogaausbildung. Das Yoga hat mich immer begleitet und mir auch Halt gegeben in der Zeit, in der mein Vater gestorben ist und ich meine Mutter betreut habe.


 

Welchen Yogastil wendest du an?
 

Die Ausbildung im AnusaraYoga habe ich über zwei Jahre in München bei Jordan Bloom gemacht. Anusara war damals relativ neu in Europa. Das ist ein kraftvoller Hatha Yogastil, der sich aus dem Iyengaryoga entwickelt hat. Wenn man vom Tanz kommt, ist man meist sehr flexibel. Manchmal ist das aber gar nicht so günstig, wenn man so beweglich ist. Mich hat dieser Stil sehr angesprochen, weil er physisch und emotional so stabilisierend ist und auch Bewegung noch mal ganz anders erfahrbar macht. Als ich die Yoga-Ausbildung beendete, merkte ich, dass ich eine Veränderung brauche. Mein Bild vom Tanz war mit der Tanzschule nicht mehr so kompatibel. Ich hab dann dort aufgehört, einen Raum gemietet und meine eigenen Kurse gegeben.


 

Du verbindest also auch Yoga mit Tanz.
 

Genau. Es hat für mich auf jeden Fall eine starke Verbindung. Ich denke, das Eine unterstützt das Andere. Der Tanz fließt in meinen Yogaklassen mit ein und in meinen Tanzklassen ist es genau anders herum.

 

Ich habe auch letztens so etwas gesehen von einer Yogalehrerin aus Berlin, das hieß HipHop-Yoga.

 

Ja, ich glaube ich habe mittlerweile auch meinen eigenen Stil entwickelt. Es ist auch kein pures Anusarayoga mehr. Anusara sagt mir nachwievor sehr zu, weil es so genau ist und auch kreativ. Weil man sehr darauf schaut, wie man die Haltungen einnimmt und wie man sich so ausrichtet, dass sie einem wirklich dienen und dass man sich auch nicht dabei verletzt. Man lernt in diesem Stil auch, wie Bewegung funktioniert und auch wie Bewegung freier wird. Aber ich glaube, mittlerweile ist mein Yoga auch durch andere Einflüsse sehr geprägt.

 

 

Welche Tanzarten verbindest du? Oder was kann man sich darunter vorstellen?

 

Ich mache zeitgenössischen Tanz. Ich bin sehr weg von diesem klassischen Spiegeltanzen. Ich beginne eigentlich immer mit simplen Aufwärmübungen, die kommen eher vom Yoga oder Gyrokinesis. In meinen Tanzklasssen findet man auch  Lauf-, Renn-, Partner und Wahrnehmungsübungen. Inspiriert vom Parcour und Improvisation. Mir ist dieses „Vor dem Spiegel schöne Bewegungen machen“, mittlerweile zu langweilig. Mich interessiert eher: Wie gehe ich mit Energie um? Wie nutze oder fülle ich den Raum?

Wie nehme ich Kontakt zum Partner auf und wie stoße ich mich von ihm ab?

Was man wahrscheinlich noch an purer Tanztechnik in meine Klassen findet, ist wahrscheinlich die Release-Technik. Ansonsten ist das alles mittlwerweile sehr viel Freestyle.

 

Wie fandest du das Musikvideo von Sia zu „Chandelier“. In dem Video tanzt ein junges Mädchen sehr frei durch das ganze Video. Das ist sehr ausdrucksstark.

 

Das Mädchen finde ich ganz großartig. Sie ist sehr ausdrucksstark in dem Video. Sie ist sehr Klassisch, und arbeitet stark mit Gestik und Pantomime. Da fließt viel Yoga und klassisches Ballett mit ein. Manchmal überkommt es mich und dann baue ich auch mal ganz klassische Übungen in mein Unterricht ein. Dann übe ich zum Beispiel Pirouetten und Developes. Aber was mich vor allem interessiert, ist immer dieses Natürliche in der Bewegung.

Ich find es immer wieder spannend, wenn Leute zu mir kommen, die noch gar nie getanzt haben. Die sind noch frei und echt in ihrer Bewegung. Wenn jemand jahrelang Ballett getanzt hat, fällt es ihm meist schwerer sich frei zu bewegen und loszulassen.

Mich interessiert das Echte im Tanz: Wie drücke ich Emotionen über den Körper aus? Wie transportiere ich ein Gefühl über Bewegung?

 

 

Würdest du auch sagen, dass dein Kunststudium dich beim Tanzen inspiriert hat?

 

Ja natürlich. Das ist auch immer Thema geblieben. Außerdem war mein Vater Künstler. Mit meiner Freundin und Kollegin Lil Egner arbeite ich auch immer wieder gemeinsam an interdisziplinären Tanzprojekten. Nur mit Tanz zu arbeiten, interessiert da gar nicht so.

Sondern das Zusammenwirken von Tanz und Installationen, Fotografie und mit live Musik ist das was uns herausfordert. Bei unserem letzten Projekt haben wir auch mit einem Fotografen und mit einem Cellisten gearbeitet. Kunstformen die sich verbinden und ergänzen finden wir sehr spannend.

 

 

Du tanzt auch in YOIQI, oder?

 

Ja, ich habe den lockeren eisblauen Jumpsuit und den engen kaviarfarbenen. Den lockeren trage ich lieber zum Tanzen. Den engen lieber im Yoga. Den Eisblauen habe ich auch gerne in meiner Freizeit oder zu Hause an.

 

 

Du benutzt sicherlich auch verschiedene Musikrichtungen beim Tanzen. Wozu tanzt du am liebsten?

 

Mein Musikgeschmack ist sehr breit. Eigentlich tanz ich auf alles mögliche. Von klassischer Musik bis Hip Hop. Von Technobeats bis Jazz. Ich mag im Moment diesen deepen Hip Hop, der auch elektronische Einflüsse hat. FKA Twigs geht ein bisschen in diese Richtung oder Abra. Manchmal mag ich es düster und basslastig und manchmal lieber ruhig oder leicht. Kommt ganz darauf an, an was ich gerade arbeite und was mich inspiriert. Ich mag aber auch mal Chansons zum Tanzen. Wenn ich was mache was Energie braucht, dann nehme ich was fetziges. Wenn es spannend sein soll, dann was deepes oder sphärisches. Wenn es fein und berührend sein soll dann nehme ich etwas Gefühlvolles. Ich glaub so suche ich aus.

 

Danke Tanya! 

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Fotos von Natalie Zanger

 

Tanya Gutekunst hat ihr STUDIO60 in der Wentzingerstraße 60. Mehr zu ihren Kurs erfahrt ihr hier.

 

 

 

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