Warum kritisches Denken über Mode wichtig ist

June 30, 2016

Steve Evans; Dhaka, Bangladesh; 

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Quelle: www.piqs.de 

 

Viele Menschen denken, wenn etwas teuer ist, dann muss es gleichzeitig fair produziert sein, oder zumindest besser, als bei den meisten High Street Unternehmen. Leider stimmt das nicht immer. Viele große Traditionsmodehäuser haben schon längst ihre Produktionsstätten nach Asien verlegt. Die Menschen folgen den Trends und kaufen ständig Neues. In diesen Mengen kann zu günstigen Preisen in Europa jedoch nicht produziert werden.

 

 

Skandinavisch = Fair? 

Viele europäische Unternehmen produzieren in Asien und nicht vor Ort. Zu den Preisen, zu denen viele Labels ihre Kleidung verkaufen, sollte es doch kein Problem sein, ethisch korrekt zu produzieren. Skandinavische Labels machen schönes Design zu üppigen Preisen. 245 Euro für ein Kleid, und trotzdem: Made in China. Ein Portemonnaie aus Leder für 82 Euro: Made in India.

 

 

Lokale Produktion 

Labels wie „A kind of Guise“ aus München beweisen: lokale Produktion, das geht. Zwar bemerkt man hier einen großen preislichen Unterschied, im Gegensatz zu den Massenproduzenten. Die Kleidungsstücke weisen jedoch eine so hochwertige Verarbeitung und Qualität auf, dass, auf lange Zeit gesehen, die Investition sich mehr lohnt, als wenn man ein billig produziertes Teil für 20 Euro kauft.

 

 

Ist die Verlegung der Produktion nach Europa die Lösung? 

 

Die Menschen in Asien und in Afrika brauchen die Jobs, um zu überleben. Ein weiteres Problem ist, dass die Fabrikbetreiber in vielen asiatischen Ländern gar nicht wollen, dass sich die Verhältnisse ändern. Die Fabrikbetreiber, leben meist selbst auf Kosten ihrer Angestellten.  Die Verlegung der Produktion nach Europa, ist ein Anfang, verbessert jedoch nicht die Lage der Lebensumstände in Asien. Außerdem sind die Produktionsumstände in Europa nicht unbedingt besser. Man denke an Prato, Italien: Die Textilfabrikbetreiber in Prato zahlen ihren Angestellten einen für europäische Maßstäbe undenkbaren Stundenlohn.

 

Rankabrand.de ist eine Webseite die Bewertungen zu fairem und ethisch korrektem Verhalten an Labels abgibt. Der Bewertungsmaßstab reicht von A-E. In der Kategorie Mode ist ein "B" schon eine Spitzennote, die nur die wenigsten Unternehmen erreichen. Häufig steht dort als Begründung für eine "B"-Bewertung:  

 

„Der Verhaltenskodex weist jedoch Schwächen auf und auch das jährliche Reporting zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen müsste noch konkreter werden.“

 

Wie viel transparenter muss ein Label werden, um als wirklich fair und umweltschonend kategorisiert zu werden? Das Kaufverhalten der Gesellschaft könnte hierfür ebenso eine Rolle spielen. Die Nachfrage nach neuen Trends  ist immer hoch. Viele Designer - wie Raf Simons schon zeigte - fühlen sich in der Welt des „Fast Fashion“ nicht gut aufgehoben. Es gibt zur Zeit viele Gegenbewegungen großer Designer, die nicht mehr jedes viertel Jahr eine neue Kollektion präsentieren wollen. Die Ideen und die Produktionen verlieren an Qualität, wenn man nicht schleunigst anfängt umzudenken. Die High Street Labels haben die Designs in kürzester Zeit schon wieder nachproduziert. Auf diese Weise verlieren die Designs auch an Wert.

 

 

Es muss also etwas passieren 

 

Es muss also etwas passieren. An diesem Geschehen sind Verbraucher und Produzent gleich beteiligt. Man spricht doch immer von einer „Revolution von unten“. Das heißt, entweder müssten die Arbeiter in den Fabriken streiken – was häufig nicht möglich ist, da es auch an dieser Stelle noch Sklavenarbeit gibt, oder finanzielle Abhängigkeiten einfach zu groß sind – oder man müsste einfach aufhören, unfaire Mode zu kaufen. Und vor allem müsste man anfangen weniger zu kaufen.

 

 

Immer die neuesten Trends

 

Klar möchte man neuen Trends folgen und mitmachen. Aber ist es wirklich nötig, dass die großen Unternehmen alle 6 Wochen eine neue Kollektion in die Geschäfte bringen? Jetzt würde jeder den Kopf schütteln. Niemand braucht das wirklich. Aber es funktioniert.

 

Das Kaufverhalten wird ebenso durch die Weiterentwicklung von Werbeplattformen gesteigert. Soziale Medien sind inzwischen die ansprechendste Quelle für potentielle Käufer. Wenn man in einem Online-Shop ein Produkt anklickt, ist das nächste was passiert, dass eine Anzeige zu genau diesem Produkt auf sozialen Plattformen geschaltet wird. So verdienen ebenso Modeblogger ihr Geld damit, Werbung für unterschiedliche Produkte wöchentlich, wenn nicht sogar täglich, zu präsentieren. Klar ist, dass Verbraucher und Produzent auf gleiche Weise für die Umstände verantwortlich sind.  Es sollte grundsätzlich ein reflektierter Umgang mit Konsum gefordert werden. Der Käufer entscheidet immer noch selbst, sich ein weiteres Produkt zu kaufen. 

 

 

Textilproduktion in einsturzgefährdeten Gebäuden 

 

Man denke an den Gebäudeeinsturz der Textilfabrik in Sabhar, Bangladesh, 2013. 1127 Menschen wurden getötet und 2438 verletzt. Sollte nicht spätestens seit diesem schrecklichen Ereignis wichtig und unerlässlich sein, dass schlechte Arbeitsbedingungen gestoppt werden müssen?

 

 

 

Die Produktionsstätte SEKEM in Ägypten, in der auch YOIQI produziert wird, zeigt wie soziales Engagement und faire Herstellung von Kleidung Hand in Hand gehen können. Das beweist: faire und ethisch korrekte Produktion kann funktionieren und trotzdem bezahlbar bleiben. Es gibt inzwischen einige Unternehmen, die vormachen wie es geht, gut aussehende Kleidung, fair oder lokal zu produzieren. Man siehe Veja, Baserange, A kind of Guise oder Kowtow. Das ist ein Anfang. In der Welt des Internets, ist es nicht mehr schwer, fair produzierte Kleidung zu finden. Die Nachfrage muss nur steigen.

 

Deswegen ist mehr kritisches Denken über Mode wichtig.

 

 

 

 

 

 

Eindrücke aus der Produktionsstätte SEKEM 

in Ägpyten. Hier werden YOIQI Yogaleggins, Yogajumpsuits

und Yogasweatshirts genäht. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlagwörter: Logo, Yoga, Mode

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